Strat d. Monats
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  FS 73, Natural

Strat des Monats

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Wie bereits beschrieben, begann
Fender erst 1972 mit der Vermarktung der Naturals. Frühere Naturals können somit entweder nur Prototypen gewesen sein oder aber solche Gitarren, denen die Farbe vom Body gerieben wurde, Der Primer dieser Gitarren ist sehr hart und zäh, weshalb er oft erhalten blieb.

Ich habe viele solcher Gitarren gesehen. Dabei war so manche ehemalige Custom-Color-Pre-CBS. Hier rechts im Bild eine, die vor der gnadenlosen Beseitigung des Lackes garantiert sehr viel mehr wert war. Aber was will man machen.

Als die Naturals 1972 erstmals auf den Markt kamen, waren sie - nicht ohne Grund - absolut trendy. Und jeder durfte damals mit seiner alten Strat machen was er wollte.

Wer dachte 1972, also in dem Jahr als die Naturals kamen, über die Konsequenzen einer solchen "Radikalkur" nach. Farbe runter, Klarlack oder Öl drauf, fertig war der neue, viel modernere Look, "funky, funky".
Wer wollte schon eine langweilige alte Gitarre in Oly-White spielen - Natural war angesagt :-).

Bis in die Neuzeit werden diese attraktiven Natural-Strats produziert und erfolgreich verkauft.

So viel vorab. In dieser Ausgabe von Vintagestrats findet ihr zunächst das "Profil" der hier vorgestellten Augenweide. Ab der nächsten Ausgabe kümmern wir uns um die Details.


Viel Spass !

Strat des Monats

Fender Stratocaster, 1973, Natural - Intro




Viele, viele Jahre lang hab ich diese Augenweide, eine 73er Stratocaster in natural, gehütet wie meinen Augapfel. Nur zu ganz besonderen Anlässen habe ich sie aus ihrem Koffer geholt, um sie dann stundenlang zu spielen.

Ich kenne sie in- und auswändig, und das im wahrsten Sinne der Worte.

Sie war eine meiner ersten Stratocaster und musste meiner Wissbegierde und meinem Forscherdrang standhalten. Keine Schraube, die ich nicht mit der Lupe untersuchte. Kein Kunststoffteil, das ich nicht genau vermaß. Jede Fräsung und jeden Dübel habe ich genauestens inspiziert.

Es war damals so etwas wie "Liebe auf den ersten Blick", als ich sie das erste Mal sah. Sie ist aber auch eine echte Schönheit. Regelmäßig drückte ich mir am Schaufenster des kleinen Gitarren-Händlers die Nase platt. Sie hing viele Jahre dort, bis sich mein Vater erbarmte und sie mir schenkte. Interessant, dass diese "Ikeacaster" so lange in diesem Lädchen hing. Ein großes Glück, dass sie niemand vorher kaufen wollte. Möglicherweise lag das daran, dass diese Naturals zu Beginn ihrer Vermarktung teurer waren, als die aufwendiger lackierten, beliebten Sunburst-Strats. Der Maple-Neck erhöhte den Preis nochmal um ein paar Mark. Diese Natural-Strats kosteten im deutschen Einzelhandel genau so viel wie eine Strat in weiß oder schwarz. Möglicherweise war das ausgesuchte Holz (Esche) schuld daran, dass dies Naturals teurer waren, als die Sunburst-Strats. Leicht waren diese Strats übrigens meist auch. Kaum zu glauben, aber in der 73er Fender Preisliste wird die "Nichtfarbe" Natural als Custom-Color bezeichnet. Wie gesagt, ich denke, dass der höhere Preis am ausgesuchten Holz festzumachen ist.

Übrigens war ich damals großer Ritchie Blackmore Fan. Und der spielte eine ganze Zeit lang genau so eine Gitarre. Ich habe mich schlau gemacht - Ritchies Strat wurde im gleichen Zeitraum produziert. Die Ähnlichkeit der beiden Gitarren ist  frappierend, wie die Bilder beweisen. Sogar die Maserungen stimmen weitestgehend überein.

Natürlich ist meine nicht Ritchies Originalgitarre, aber die beiden waren zumindest aus dem selben Holz geschnitzt. Und das reichte mir. Ich weiss gar nicht, wie viele Stunden ich damit zubrachte, auf die makellose Decke dieser Stratocaster zu starren und die Schönheit des Eschenbodies, des wohlgeformten Halses mit dem großen CBS-Headstock usw. auf mich wirken zu lassen.

Ja, ich bin ein echter Natural-Fan. Ich habe unglaublich viel von dieser Gitarre gelernt.

Sie zeigte mir erstmals die Details, die ich unter den Lackschichten einer Sunburst nur schwerlich hätte finden können. Wir werden im Laufe der Berichterstattung ganz sicher auf jedes dieser sichtbare Details eingehen.  Außerdem lernte ich, dass die Strats aus den frühen Siebzigern eine Dreipunkt-Verschraubung besaßen, deren Hals-Body-Verbindung sehr stabil war. Stabiler und zuverlässiger, als die beinahe gleiche Konstruktion an 78er oder 79er Strats, deren Hälse, oder besser deren Verbindung und Passgenauigkeit zwischen Hals und Body, manchmal große Probleme verursachte. Ein Makel, der dem Image der Stratocaster aus der CBS-Periode noch heute schwer anlastet und diesen Gitarren wohl ewig anhaften wird. Dabei trat das Problem der labilen Hälse - im Normalfall - nur in relativ wenigen Fällen, an Gitarren aus den Spätsiebzigern und Frühachtzigern auf.
Diese Gitarre verriet mir im direkten Vergleich mit einer anderen Natural-Strat aus 1978, wo der Grund für das geschilderte Problem lag.

Warum die Fender-Konstrukteure so lange brauchten, bis sie den Fehler auskurierten, war mir nicht klar.

Verkaufen, verkaufen, verkaufen - ohne Rücksicht auf Verluste? CBS hat viel zu spät auf die Problematik der Wackelhälse reagiert, nicht auf die verärgerte Kundschaft gehört.

Wie  bereits geschildert, spielte ich die Gitarre sehr wenig. Dabei klang sie wunderbar. Ich war immer wieder überrascht von ihrer Dynamik, ihrem herrlich krächzenden, holzigen, aber auch glasklaren Strat-Sound. Viele würden das so von einer frühen 70er Strat nicht erwarten.

Im Herbst des Jahres 2013 musste sie nach sehr langer Überlegung gehen. Zum einen brauchte ich Geld für eine andere Sache. Zum anderen ertrug ich die Bettelei eines befreundeten Strat-Fans nicht mehr :-). Letztendlich blieb mir nichts anderes übrig - ich übergab sie in sehr gute Hände.

Allerdings habe ich sie stets in Erinnerung behalten, konnte sie einfach nicht vergessen. Tja, glücklicherweise konnte ich sie kürzlich wieder zurück kaufen.

Kürzlich habe ich sie noch einmal in allen Lebenslagen fotografiert, vermessen und untersucht. Die Ergebnisse, die Besonderheiten und viele schöne Bilder dieser tollen Collector-Gitarre werde ich in den nächsten Monaten, in gewohnter Art und Weise, im Member-Bereich von Vintagestrats.de vorstellen. Übrigens habe ich in den letzten Jahren kaum eine vergleichbare, frühe Siebziger in einem solchen Zustand gesehen. Dass eine solche 100% Originalgitarre optimal für unsere Untersuchungsreihen ist, muss nicht weiter erläutert werden.

Allen Interessenten sei schon jetzt gesagt - die Bilder dieser Gitarre sind sehr interessant. Sie zeigt auf Grund ihrer herrlichen Lackierung - in der "Nichtfarbe" Natural - sehr viele Herstellungsdetails, die wir auch schon an Gitarren aus den frühesten Herstellungsperioden finden könnten, wenn da nicht die stärker deckenden Lacke wären. So müssen wir an dieser Stratocaster keine besonderen Tricks anwenden, um diese Details schnell sichtbar zu machen.

Ich frage mich immer wieder, was wohl aus Ritchie´s Natural geworden ist. Möglicherweise gab es einem kleinen Unfall. Er hat ja einige dieser Gitarren mit hohen Fliehkräften beschleunigt und zerlegt. Ich selbst sah, wie er eine Natural - mit weissen Pickguard - während einer hitzigen Darbietung zerfetzte. Damals flogen uns die Einzelteile - oder viel mehr das, was davon übrig blieb - um die Ohren. Das war Ritchies Show. Wer dachte damals schon über eine frühe 70er Strat nach, wenn bei dieser Darbietung Gitarren flogen und Verstärker qualmten.